Frau Feleknas Uca
Frau Feleknas Uca

Zum ersten Mal in der Geschichte der Êzîden in Deutschland scheint ein Dachverband in greifbarer Nähe. Ein Treffen aller êzîdîscher Vereine findet am 23. Februar 2014 in Celle statt. Auf dieser Veranstaltung soll ein Gründungskomitee für den neuen Dachverband gewählt werden. Eingeladen sind alle Vorstandsvorsitzenden der êzîdîschen Vereine in Deutschland.

In der Vergangenheit wurde ein solcher Dachverband insbesondere von der Föderation Ezidischer Kurden auf Grund ihres Beharrens darauf, dass Zarathustra ein Teil des Êzîdentums sei, torpediert. Hässliche Intrigen wurden insbesondere gegen jene êzîdîschen Vereine geführt, die auf ihre Unabhängigkeit bestanden. Der seit einigen Jahren bestehende Zentralrat der Yeziden in Deutschland (ZYD) hat sich mit den Vorsitzenden der Föderation, insbesondere mit Frau Feleknas Uca an einen Tisch gesetzt um den längst überfälligen Dachverband anzugehen (Bericht hier).

Handelt es sich also um einen Sinneswandel der Föderationsführung? Das Einsehen der Notwendigkeit eines Dachverbandes? Weit gefehlt. Worum es der Föderation wirklich geht, offenbart die Vorsitzende Frau Feleknas Uca, ehemalige Europaabgeordnete der Partei DIE LINKE, nun im Saarland.

Föderation in Sorge

Es geht um Einfluss, Macht und letztlich um Geld. Mehr Vereine im eigenen Verband bedeuten ein größeres Stimmgewicht bei der Gründung des Dachverbandes und dessen Beschlussfassungen. Im Vorstand sollen, so bereits jetzt geplant, sowohl die Föderationsführung als auch die Führung des Zentralrates ihre Rolle einnehmen. Die Zahl der unabhängigen Vereine übertrifft die Zahl der beiden Verbände weit. Die Beschlüsse des Vorstandes sollen mit einer ¾ Mehrheit gefasst werden.

Die Föderation bangt daher um ihren Einfluss. Ein unabhängiger Dachverband, der evtl. nicht im Sinne der Föderation Beschlüsse fasst, ist das Worst Case Szenario. Ganz gleich, ob dies zum Vorteil der êzîdîschen Gemeinschaft wäre. Wir berichteten bereits, dass ein hoher Funktionär der Föderation geäußert habe, er werde mit Hilfe des Dachverbandes den Zentralrat ausstechen und sie nach seinem „eigenen Ermessen arbeiten lassen“ (Bericht hier).

Zum Hintergrund im Saarland

Im Jahr 2010 organisierten vor allem êzîdîsche Jugendliche im Saarland ein Gründungskomitee für einen bisher nicht bestehenden Verein im Saarland. Auf der darauffolgenden Gründungsversammlung, bei der jeder Êzîdî teilnehmen durfte, wurde mit absoluter Mehrheit vereinbart, dass der Verein unabhängig sein soll. Heißt sich keinem Dachverband anschließen wird. Kurze Zeit später stellte sich jedoch heraus, dass die Föderation eine Person in den Vorstand einschleuste, welche daraufhin den Verein in Föderationsnähe rückte. Dass die Mehrheit der Êzîden dies jedoch bei der Gründungsversammlung ablehnte war der Föderation egal. Die Mehrheit der Jugendlichen distanzierte sich anschließend von diesem Verein, der nun in Hand der Föderation war. In den Vorstand wurden von der Föderation loyale Anhänger gehievt.

Der nun von der Föderation geleitete Verein im Saarland überlebte kein Jahr und scheiterte daran, dass jeder der im Vorstand aktiven Personen das Vereinsgeld auf seinem Konto haben mochte. Nachdem der Vorstand sich auf Grund dieser inneren Querelen auflöste, starteten die êzîdîschen Jugendlichen einen zweiten Anlauf und gründeten 2011 im Saarland den Verein „Ezidische Jugend e.V.“ (www.ciwanen-ezidi.de).

Den Schaden des aufgelösten Föderationsvereines musste die Ezidische Jugend e.V. wettmachen. Aufgrund dieser – zurecht – herrschenden Skepsis der Êzîden bezüglich eines Vereines verlief die Arbeit des neuen Vereines daher relativ schwer, dennoch wurden einige Veranstaltungen organisiert. Der Verein besteht seit nunmehr 2011.

Das doppelte Spiel der Feleknas Uca

Vor einigen Tagen wurde bekannt dass die Föderation, vertreten durch Feleknas Uca, im Saarland versucht einen weiteren Verein zu gründen. Hierfür wurden mehrere Personen angesprochen, die bisher ablehnten. Im Übrigen dieselben Leute, die 2010 den ersten Verein aufgelöst haben.

Fr. Feleknas Uca versucht damit den neutralen und bis heute unabhängigen Verein im Saarland, die Ezidische Jugend e.V., durch einen weiteren Verein abzudrängen, um so bei der Dachverbandsgründung einen weiteren Verein ihr Eigen nennen zu können. Diese Systematik der Föderation ist vielerorts bekannt. Bereits in der Vergangenheit versuchte die Föderation unabhängige Vereine durch die Gründung eines neuen Vereines auszuhöhlen. Von Fr. Feleknas Uca erfolgte auch keinerlei Kontaktierung des Vorstandes der Ezidischen Jugend e.V. Erst über Dritte hat der Vorstand hiervon Kenntnis erlangt.

Çarsema Sor Feier der Ezidischen Jugend 2013
Çarsema Sor Feier der Ezidischen Jugend 2013

Die Frage nach der Notwendigkeit eines zweiten Vereins erübrigt sich bereits bei der Größe des Saarlandes von selbst. Insbesondere vor dem Hintergrund, welche Verdrossenheit die Föderation bereits bei ihrem letzten Verein im Saarland hinterlassen hat. Es war insgesamt der dritte Föderationsverein im Saarland, der nach kurzer Zeit aufgelöst wurde. Das Misstrauen der Êzîden im Saarland ist daher nur allzu verständlich. Die Ruinen und die Skepsis überließ die Föderation der êzîdîschen Jugend.

Der Föderation geht es hierbei allein um Torschusspanik, weitere Regionen in ihren Einflussbereich zu bringen. Ob sie dabei andere êzîdîsche Vereine hintergehen muss, die Arbeit eines anderen Vereines damit unnötigerweise behindert, ist Fr. Feleknas Uca evident gleich.

Während sie sich also öffentlich zum Dachverband und seiner Notwendigkeit bekennt, von der Einheit der Vereine und der Êzîden spricht, dass die Vereine sich zuarbeiten sollen statt gegeneinander, versucht sie bereits jetzt den Dachverband nach ihrem persönlichen Ermessen zu gestalten und andere Vereine zu hintergehen.

Hayrî Demir
30.01.14