Ivana Kuli
Ivana Kuli

Al-Hasaka (Syrien) – Am 11. Mai 2014 wurde die 18 jährige êzîdîsche Studentin Ivana Kuli aus der syrischen Region Al-Hasaka in die Türkei verschleppt. Drei Tage lang fehlte jegliches Lebenszeichen von der jungen Jurastudentin, erst auf Nachforschung der Verwandten wurde klar, dass sie Opfer einer Entführung geworden ist.

Nach Angaben der Verwandten von Ivana, wurde sie von einer Freundin zu ihrer alten Universität gebeten, obwohl Ivana bereits an einer neuen Universität immatrikuliert ist. Die Freundin wolle „etwas mit ihr besprechen“. Sie gibt ihren Eltern und den christlichen Untermietern Bescheid, dass sie zur Universität fährt. An der Universität angekommen, wird sie entführt und in die Türkei verschleppt. Die Eltern kontaktierten umgehend die alte Freundin von Ivana, die sich jedoch immer wieder selbst widersprach und dem Anschein nach unter enormen Druck stand.

Die Eltern von Ivana alarmieren die Sicherheitsbehörden, die eine Suchaktion in Gang setzen. Ein Grenzpolizist erkennt Ivana auf dem Foto und benachrichtigt die Polizei. Er gibt an, dass Ivana während dem Grenzübergang emotions- und regungslos gewirkt habe und dass man sie unter einem falschen Namen in die Türkei brachte. Auf einem Überwachungsvideo des Grenzpostens ist zu sehen, wie der Entführer Ivana teilweise über der Schulter trägt, bestätigt ein Verwandter von Ivana, der sich die Aufnahmen zeigen ließ. Ivana wird nach dem Grenzübergang mit einem Bus weiter in die Türkei gefahren. Währenddessen reisen Verwandte von Ivana aus Deutschland zur türkisch-syrischen Grenze und stellen selbst Nachforschungen an. Der Busfahrer, der Ivana zuletzt gesehen hatte, gab an, dass Ivana an der Endstation nicht aus dem Bus ausgestiegen ist, ehe ein Mann sie an der Hand mitzerrte. Der Entführer soll Ivana in der Nähe der türkischen Grenzstadt Kiziltepe versteck halten.

Ivana Kuli
Ivana Kuli

Die Familie von Ivana schaltete kurdische Politiker der BDP ein, damit diese sich mit der Familie des Entführers in Verbindung setzen. Trotz Versprechen seitens der BDP Politiker, ist seit mehreren Wochen nichts geschehen, man vertröstet die Familie immer wieder auf ungewisse Zeit. Unterdessen wurde der Vorwurf erhoben, die Partei decke die Familie des Entführers. Wegen des guten Drahtes zur Partei, benachrichtigten die Angehörigen von Ivana auch Êzîden der Föderation Kurdischer Êzîden (FEK) in Deutschland, einer parteinahen Organisation, die bisher jedoch selbst nicht weiter kam. Auch eine strafrechtliche Anzeige in der Türkei brachte keine neuen Erfolge.

Den Angehörigen von Ivana wird es nicht gestattet, sie zu sehen oder mit ihr zu sprechen. Währenddessen behaupteten insbesondere Angehörige des muslimischen Kurden, dass Ivana freiwillig mitgegangen sei. Ivanas Eltern aber bestätigen, dass sie ihre gesamten Ausweispapiere sowie weitere Wert- und Gebrauchsgegenstände Zuhause gelassen haben und keinerlei Anzeichen für eine Freiwilligkeit zu erkennen sei. Sie habe sogar noch nach dem Essen gefragt.

Die Aussagen der Grenzpolizisten decken den Verdacht, dass Ivana unter Drogen oder ähnliche bewusstseinsstörende Medikamene versetzt worden ist, damit sie wehrlos fortgebracht werden könne. Der Entführer und seine Familie, Bekannte der Familie Kuli, trauerten in den ersten Tagen mit, ehe sich der Verdacht bestätigte, dass der Junge der kurdischen Familie das Mädchen entführt hat. Der Junge tauchte ab, die Familie bestreitet jegliche Verwicklung in die Entführung. Auch die Schwester des Entführers ist untergetaucht.

Entführungen von êzîdîschen Mädchen waren in der Vergangenheit keine Seltenheit und sind es auch heute nicht. Vor wenigen Tagen wurde ein 13 Jahre altes êzîdîsches Mädchen im Nordirak entführt. Vor rund einem Jahr die 11 jährige Simon Dawid.